Sonntag, 1. März 2015

Johari ****

Es klingt irgendwie unspektakulär: Aktion wählen, Edelsteine verkaufen und Unterstützung  von Adligen sichern. Aber Autor und Verlag haben an allen Ecken interessante Mechanismen eingebaut. Aktionswahl heißt hier, daß alle Spieler über drei Runden gleichzeitig eine Aktionskarte auswählen und verdeckt an ihr Spielertableau anlegen. Die Besonderheit: am Tableau ist, daß die Karte der ersten Runde voll bezahlt werden muß, in der zweiten Runde werden vom Kartenpreis zwei abgezogen und in der dritten Runde ist die Karte komplett kostenlos. Gemein nur, daß man die teuren Aktion gerne möglichst früh machen möchte. Timing und Planung sind also angesagt.
Mit der Aktion "Kauf" kann man Edelsteine aus Läden oder Basarständen kaufen. Der Unterschied ist, daß in den Läden immer jeweils gleichfarbige Edelsteine liegen, während in den Basarständen auch verschiedene Edelsteine liegen können. Verkaufen muß man die Edelsteine natürlich auch wieder, um gewinnen zu können. Auch hier muß man beachten, ob man gleiche oder verschiedene Edelsteine verkauft. Nach jeder Verkaufsaktion tritt der Kontrolleur auf den Plan. Alle, die jetzt noch unverkaufte, gefälschte Edelsteine vor sich liegen haben, müssen eine Fälschung abgeben. Fälschungen erkennt man am Kontrolleurssymbol auf der Karte. Also auch hier: Timing und Planung.
Die Aktion "Handel" ermöglicht das risikolose Kaufen von Edelsteinen, allerdings kann man sie zunächst nicht verkaufen. Alternativ können die Adligen überzeugt werden. Sie müssen mit gleichen Edelsteinen bezahlt werden und bringen zum Teil grandiose Vorteile für den Rest des Spiels oder direkte Siegpunkte. Die Adligen auf dem Spielplan rutschen am Ende jeder Runde ein Feld weiter und werden dadurch immer billiger. Man ahnt es schon: wer einen bestimmten Adligen haben möchte, muß viel bezahlen oder darauf hoffen, daß die anderen Spieler ihn sich für ein oder zwei Runden nicht leisten können.
Mit Hilfe der "Bestechung" ist man ebenfalls vor dem Kontrolleur sicher. Der "Tausch" dient meistens dazu, eine Fälschung loszuwerden; er kann aber auch verwendet werden, um sich einen wertvolleren Edelstein zu sichern. "Bakschisch" ist nötig, um den eigenen Goldvorrat aufzustocken. Gold? Zur Erinnerung: Gold benötigt man, um die Aktionen zu bezahlen. Mit dem Doppelgänger schließlich wiederholt man die Aktion der zuvor ausgespielten Karte. An Möglichkeiten mangelt es also nicht!
Die Verkaufserlöse in Form von Prestigepunkten werden auf dem Spielertableau abgetragen. Die Punktekurve jeder Edelsteinsorte steigt zu Beginn stark an und wird später flacher. Insofern ist man gezwungen, möglichst alle Edelsteinsorten zu verkaufen. Ein schönes Detail, das ohne zusätzliche Spielregeln auskommt.
Wenn der letzte Adlige aufgedeckt wird, endet das Spiel nach der aktuellen Runde. Zu den während des Spiels erspielten Siegpunkten kommen ggf. noch weitere Punkte von Adligen hinzu. Wer nun die meisten Punkte hat, gewinnt.
Ein tolles Spiel. Irgendwie stimmt alles. Ablauf, Spannungskurve, Mechanismen, Grafik, Spielregel, Spieldauer und selbst die Schachel hat ein schönes, handliches Format. Jetzt hör' ich aber auf. Ich will Johari spielen!
 
 
Von Carlo Lavezzi für 2-4 Spieler ab 10 Jahren, ca. 60 Min. Verlag: Lookout Spiele

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