Montag, 5. Mai 2014

Lewis & Clark ****(*)

Es gibt keine Siegpunkte, das ist doch mal was! Das Spiel gewinnt, wer als erster sein Lager im weltbekannten Fort Clatsop aufbaut. Zuvor sind viele Meilen auf Flüssen und im Gebirge zurückzulegen.
Jeder Spieler schlüpft in die Rollen eines Teilnehmers der Lewis & Clark Expedition, die als erste amerikanische Überlandexpedition zur Pazifikküste in die Geschichtsbücher einging; man startet mit 6 Handkarten, die weitere Teilnehmer darstellen. Jede Person hat ihre eigene Fähigkeit und Stärke. Dazu besitzt man ein Tableau, das die Boote der Expedition zeigt; dort werden Waren, Rohstoffe und Indianer transportiert.
Der Ablauf des Spiels ist im Grunde einfach, die Komplexität kommt aus einer anderen Ecke. Dazu später mehr.
Wer am Zug ist, muß eine Aktion ausführen. Das kann das Platzieren einer Indianerfigur im Indianerdorf sein oder das Ausspielen einer Karte. Im Indianerdorf kann man sich Rohstoffe oder Boote und Pferde sichern. Manche Felder können nur einmal, andere mehrfach genutzt werden. Stone Age läßt grüßen.
Um eine Karte auszuspielen, muß man ihr Stärke verleihen. Das geschieht mit den schon bekannten Indianerfiguren oder einer anderen Charkterkarte, die man halb unter die ausgespielte Karte schiebt.
Vor oder nach seinem Zug kann man optional eine neue Charkterkarte anwerben. Auf dem ersten Bild weiter unten sieht man fünf ausliegende Charakterkarten, die unterschiedliche Kosten haben (Ausrüstung + Felle).
Die zweite Option ist das Aufschlagen des Lagers. Nur damit kommt man seinem Spielziel näher! Allerdings hat der Autor hier ein paar Nettigkeiten eingepackt, die es zu bedenken gilt. Zunächst einmal kann man sein Lager nur weiter in Richtung Ziel verschieben, nie rückwärts; es kann maximal bis zur eigenen Spielfigur, die sich durch den Fluß bzw. durch das Gebirge kämpft, gebracht werden. das heißt, man sollte während seiner Spielzüge darauf achten, die Figur schön weit nach vorne zu treiben. Aber es kommt noch dicker. wer jetzt auf die Idee kommt, ständig nur die Figur zu bewegen und zu lagern, hat ein Problem. Jede Karte auf der Hand, jeder Indianer und jede Ware kostet Zeit beim Lagerbau. Und Zeit heißt im Spiel: die Spielfigur muß sich rückwärts bewegen. (Bild 2: Sonnen- und Mondsymbol kennzeichnet Zeitverlust).

Und schon kommen wir zum zentralen Punkt des Spiels, dem Timing. Es ist essentiell, die Aktionen zum richtigen Zeitpunkt auszuführen. Denn wenn ich mein Lager aufschlagen will, sollte ich keine Zeit verlieren. Die Rohstoffe wollen ausgegeben sein und meine Boote sollten nicht voller Indianer sein. Dazu kommen die Verlockungen neuer Expeditionsmitglieder. Sie haben zwar teilweise bessere Aktionsmöglichkeiten als die Startkarten, aber auch sie müssen erst einmal ausgespielt werden und das dauert dann schon mal eine Runde länger als bei den Spielern, die nur ihre Startkarten haben. Es gibt allerdings auch die Möglichkeiten Karten endgültig abzuwerfen. Diese Aktion sollte man im letzten Drittel des Spiels durchaus ins Auge fassen. So kann man mittlelstarke Karten durch starke Karten ersetzen und dennoch eine überschaubare Kartenhand behalten.
Lewis und Clark bietet einige erfrischende und auch überraschende Regeln, die diverse Strategien erlauben. Es entsteht ein spannendes Wettrennen. Die erste Partie kann man getrost als Lernrunde abhaken, danach geht es erst richtig los. Wem das -und die Spieldauer von ca. 2 Stunden zu viert- nichts ausmacht, der darf sich auf einen Spiele-Höhepunkt freuen. Nicht unerwähnt bleiben sollte auch die vorzügliche Recherche-Arbeit: jede der vielen Charakterkarten hat eine reale Entsprechung.


 
 

Von  Cedrick Chaboussit für für 1-5 Spieler ab 14 Jahren. Verlag: Ludonaute/Heidelberger

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